*** Vorankündigung: 29. Int. Budo-Camp Sri Lanka 2019 - 22.07.-06.08-2019 !!! Weitere Infos in Kürze ***

Für mich hat dieses Camp bereits beim Waffenlehrgang am 1-Nov-2002 in Dortmund begonnen. Dort sah ich einen kleinen schwarz/gelben Flyer. In diesem stand, dass die I.B.E. unter Leitung von Olaf van Ellen, im Sommer 2003 ein weiteres Budo-Camp in Sri Lanka veranstaltet: offen für alle und mit viel Sport, Strand und Natur. Im nächsten Moment war die Teilnahme für mich bereits beschlossen. So einfach intuitiv. Etwas später kamen dann erst meine üblichen Bedenken: „du kennst da keinen; bestimmt ist es viel zu heiß, ich passe da gar nicht rein, das ist viel zu teuer... und so weiter“. Ich blieb aber meinem erstem Entschluss treu und habe es nicht bereut. Im Gegenteil, alle aufgeführten Zweifel wurden total widerlegt. Wer jetzt weiter liest der wird das schnell verstehen.

Meine letzten „Bedenken“ räumte ein Besuch bei Olaf und Nicole aus dem Weg. Nun wusste ich mit wem ich es zu tun hatte, und ich hatte die Bestätigung, dass die beiden genauso tolerant und offen sind, wie ich es hoffte. Ich muss dazu sagen, dass ich in Mülheim an der Ruhr beim Gerald Seefeldt seit 8 Jahren „Koudo Gishi Risei – Karate“ trainiere. Mit 25 Jahren habe ich damit (erst) angefangen, da ich aufgrund einer Herzoperation in der Kindheit und Jugend keinerlei Sport machen durfte. Mittlerweile schaue ich gerne über den „Tellerrand“ hinaus. Das Budo-Camp war erst mein dritter (externer) Lehrgang. Wegen dieser Unerfahrenheit war ich ja so skeptisch. Aber unter richtigen Sportlern sind Bedenken eher fehl am Platz.

Wie es sich für einen richtigen Internet-Junkie gehört, habe ich dann Informationen über Sri Lanka gesammelt. Dabei habe ich (per Email) Fritzi kennen gelernt. Sie war schon viele male auf Sri Lanka und hat mit ihren Berichten meine Vorfreude so richtig angeheizt. Was zum Beispiel die Freundlichkeit der Singhalesen betrifft, hat sie völlig recht behalten. Aber auch was die Gegensätze im Land betrifft. Deshalb war meine erste Reisevorbereitung mich bei der METRO mit Süßigkeiten und Kugelschreibern einzudecken, da solche Dinge auf SL extrem begehrt sind. Dann mixte mir mein Hausarzt noch einen HepatitisMalariaTyphusTetanusDiphteriePoliomylitis-Cocktail. Das Zeug war übrigens der größte Kostenfaktor. Neben der Reise an sich natürlich. Alle anderen Dinge wie Getränke, auswärts Essen, Souvenirs u.a. kosteten weniger als ne Hepatits Spritze. Wobei hier die Gelegenheit ist, anzumerken, dass es sich NICHT um einen Lehrgang handelte, bei dem sich hochdekorierte DAN-Träger ihren Urlaub finanzieren lassen. Manch ein Pauschal-Urlauber darf mehr bezahlen und kriegt kein hochqualifiziertes Training geboten.

Somit konnte ich mich gut vorbereitet auf die Reise begeben. Meine größte Sorge am Anfang bestand darin, dass ich kein Flugticket hatte. Das sollte ich im Zug auf dem Weg zum Flughafen Frankfurt/M von Nicole erhalten. Das lag daran, dass ich es im Vorfeld nicht mehr geschafft hatte, mir die Sachen wie von mir gewünscht, persönlich abzuholen, da ich auf Montage gearbeitet hatte. Aber auch das klappte alles bestens. Im Zug waren wir schon zu fünft, und am Flughafen wurden wir eine richtig gut gelaunte Truppe von etwa 18 Mann und Frau mit tollen BUDO-CAMP T-Shirts.

Im Flugzeug konnte ich dann schon spüren, wie die nächste Zeit rein menschlich verlaufen wird. Ich hatte mir im Vorfeld Gedanken gemacht, wie die Trainer und wie die Teilnehmer auftreten werden. Aber die Gedanken waren umsonst. Denn man konnte im Verhalten nicht einschätzen, ob jemand Sensei oder Schüler ist. Ich saß beim Hinflug neben Walter (dem ältesten Trainer). Im Laufe der 2 Wochen habe ich viel von seiner Lebenserfahrung gelernt. Mir blieb vor allem der Satz haften, dass man niemals denken sollte, dass etwas keinen Sinn mehr macht. Walter sagte am Ende des Camps, „dass hier der Geist des Budo lebt“, dem kann ich nur zustimmen. Beim Rückflug saß ich dann neben Jan (dem jüngsten Teilnehmer), und von ihm konnte ich in zwei Wochen ebenfalls viel lernen.

Zwischen dem beschriebenen Hin- und Rückflug liegen nun die 2 Wochen auf Sri Lanka. Unser Hotel lag etwa eine Stunde vom Flughafen (Colombo) entfernt. Alles war bestens organisiert. Nach feierlichem Entzünden der Öllampe im Hotel und Besetzen der Zimmer fanden sich die meisten gleich im Pool wieder. Das Wetter, 30 Grad bei 95% Luftfeuchte, sollte sich die nächsten Tage kaum verändern. Außer nachts, da war es dunkel aber die Temperatur blieb fast konstant.
Die Zimmer waren prima, von Klimaanlage über Dusche und Terrasse bis zu den Geckos war alles vorhanden. Den Indischen Ozean konnte ich direkt sehen und wenn ich über die Teerasse hinaus ging, war ich in 30 Sekunden am Meer. Später entstand das Gerücht, dass die Singles dieser Reise die Erdgeschosszimmer erhalten haben, da dies „praktischer“ für eventuelle Nachtaktivitäten sei. Dafür wurden die Bewohner der oberen Zimmer mit einem tollen Ausblick belohnt.

Am nächsten Tag war der offizielle Start. Man merkte, dass dieses Budo-Camp so ziemlich das größte Ereignis dieser Art auf Sri Lanka ist. Vom Tourismusminister, über Bürgermeister, Gefängnisleiter, Army-General bis zum Schweizer Botschafter und anderen VIPs waren alle gekommen. Lediglich der deutsche Botschafter enttäuschte mich durch seine Abwesenheit. Sie alle hielten lange Begrüßungsreden. Aber da das ganze Umfeld und die Atmosphäre so neu für mich war, wurde es nicht langweilig. Danach gab es eine Kampf-Kunst-Vorführung der verschiedenen Stilrichtungen. Leider verschwanden einige der einheimischen Ehrengäste mitten in der Vorführung. Ich fand das sehr unsportlich, aber da wir das ganze ja für uns und nicht für VIPs machen, störte es mich nicht länger. Im Anschluss an die Show ging es bereits mit dem ersten Training los. In den nächsten 5 Tagen habe ich folgende Dinge probiert und manche auch mehr als probiert:

Judo, Ju Jitsu, Sheng Shang Wu (4x), Karate (5x), ATK, Tai Chi, Wushu (2x), Fun-Budo,Kuatsu und Chinadi. Dazu kam dann noch der morgendliche Strandlauf mit Bettina (um 7 Uhr vor dem Frühstück), abendliches Wushu oder joggen in eigener Regie. Wem die Stilrichtungen nichts sagen, der kann gerne bei www.budo-camp.de nachlesen. Mir ging es vor dem Camp bei den meisten der genannten Kampfkünste so. Aber am besten ist es, alles mal zu probieren. Leider war der Trainingsplan so voll gepackt, dass es mir nicht möglich war, alles zu testen und zugleich mich auf einige Sachen zu konzentrieren. Ich habe mir aber eine gute Mischung zusammen gestellt. Dabei gelang es mir sogar - am Ende der Trainingswoche - im Kenseikan-Karate die Prüfung zum 9.Kyu zu bestehen.

Mein täglicher Getränkeumsatz lag etwa bei 6 Litern. Bei Agnes, einer netten älteren Frau mit einem kleinen Lädchen gegenüber vom Hotel, habe ich mir jeden Tag eine 5-Liter-Plastik-Flasche Wasser geholt. Außerdem wurde ich von ihr auch über ihr Leben auf dem Laufenden gehalten. Jeden Tag gab es eine neue Geschichte. Da ihr Englisch genauso „schlecht“ wie meins ist, hatten wir kaum Verständigungsprobleme. Am 2. Tag berichtete sie mir ganz aufgeregt von einem Ladendieb, der ihr 500 Rupien (etwa 5 Euro) und Zigaretten geklaut hatte. Später berichtete sie dann von ihrer Tochter in Berlin und einer anderen Tochter, die einen Münchner geheiratet hatte. Sie meinte, sie hat noch mehr Töchter und wenn ich nächstes Jahr wieder komme, dann würde sie mir diese vorstellen. Am Ende des Urlaubs bekam ich ne Menge Gewürze von ihr geschenkt und die Telefonnummer des Schwiegersohns in München. Den sollte ich anrufen und berichten wie es der Familie auf Sri Lanka zur Zeit geht. Das habe ich dann auch getan.

Obwohl man voll ausgelastet war, blieb genug Zeit zum Erholen. Da Olaf und Nicole ständig im Einsatz waren, konnten die Teilnehmer die Zeit so richtig genießen. Meine Urlaube plane ich meistens auf eigene Faust, so war es für mich sehr angenehm, sich mal um nichts Organisatorisches kümmern zu müssen. Als Nicole mal wieder so richtig „platt“ war, habe ich ihr das genau so gesagt. Ich hätte mir vielleicht einen anderen Zeitpunkt aussuchen müssen, denn sie klang nicht sehr begeistert, aber für mich war das trotzdem ein dickes Lob an die beiden.

Am Abend des 3. Tages lag ich im Zimmer und freute mich darüber, dass ich an diesem Camp teilgenommen habe. Ich dachte für einen Moment, dass es sehr hilfreich war, dass ich alle Teilnehmer bereits vom Sportverein her kannte ... im gleichen Moment wurde mir klar, dass ich 72 Stunden vorher niemanden der Teilnehmer kannte. Aber da die Kampfkünste uns im Geiste alle verbinden, kam es mir so vor als wäre ich mit einer Truppe langjähriger Freunde unterwegs.

Jeden Tag gab es neue Highlights.
Dann waren da fast jeden Tag lauter Leute mit T-Shirts vom „SRI LANKA PRISON“. Die wurden im Anti-Terrorkampf ausgebildet. Zum Glück waren es die Angestellten des Gefängnisses und nicht die Insassen.
Insgesamt waren 244 Teilnehmer dabei. Die meisten aus Sri Lanka. Die anderen aus Deutschland, der Schweiz, Kanada und Kroatien. Wenn man denkt, es geht nicht mehr voller, dann gibt’s noch einen oben drauf. An einem Tag kam ein College zu Besuch. Aber auch an den „normalen“ Tagen wurde es manchmal sehr unübersichtlich. Eigentlich gab es zwei Trainingsflächen, eine überdachte Mattenfläche und den Vorplatz oder Strand, je nach Bedarf. Beim ATK auf der Mattenfläche tummelten sich manchmal über 120 Singhalesen und so mancher interessierte Europäer sagte sich dann, dass man ATK ja auch in Deutschland trainieren kann und machte für sich Training. Das führte aber spontan dazu, dass sich gleich andere hinzu gesellten. Teilweise brauchte man nur Aufwärmtechniken ausführen und schon machten 5 Einheimische einem alles nach, weil sie dachten man ist der Trainer der nächsten Stunde. Aber dadurch wurden auch Teilnehmer zu Ausbildern. Als sich Bettina einfach an den Strand stellte um eine Kata zu üben, wurde sie prompt zur Ausbilderin.

Da viele der einheimischen Sportler kein Englisch können, gab es manchmal Verständigungsprobleme. Auch mit der singhalesischen Schrift hatte ich so meine Probleme Fast täglich haben die Zeitungen über uns berichtet. Aber außer Fotos konnte ich da nix erkennen. Die Schrift sieht richtig knuffig aus. Sowie es mehr als ein Satz wird, könnte man denken, dass sei ein Blumenstrauß.

Dagegen gab es überhaupt keine Verständigungsschwierigkeiten mit einer ganz bestimmten Sorte von Einheimischen. Den gestreiften Backenhörnchen! Die sehen aus wie die Kreuzung zwischen einem Eichhörnchen, Kampfratte und Säbelzahntiger. Wer den Film „Ice Age“ gesehen hat, der weiß, dass ich Scrad meine. Das hyperaktive Chaoshörnchen, welches ständig Nüsse als Wintervorrat bunkern möchte. Mit den Tierchen konnte man sich blind verstehen. Setz dich einfach irgendwo hin und habe was zu essen dabei. Sofort sind sie da und versuchen, etwas abzubekommen. Die Sprache dieser putzigen Tierchen habe ich erst nach 2 Tagen wahrgenommen. Bis dahin dachte ich, das Quietschen morgens seien irgendwelche Windräder oder Kinderwagen. Neee, das waren Scrad und seine Freunde beim allmorgendlichen Revieraufteilen. Dann gab’s da noch Krähen, die ich persönlich nicht so nett fand, aber die haben sich manchmal recht interessante Kämpfe mit den Wushu-Hörnchen geliefert. Ganz im Hintergrund blieben die Geckos. Die meisten Geckos klebten im Zimmer unter der Decke und an den Wänden, als ob ihnen noch nie jemand etwas von der Schwerkraft erzählt hätte. Ich schätzte die Geckos als Mitbewohner in meiner Ferienunterkunft, da sie Insekten, die sich in das Zimmer verirrt hatten, sofort verspeisten. Leider haben sie nicht immer alle lästigen Moskitos erwischt. Außerdem haben wir noch Krabben, Affen und Flughunde (Flugfüchse) gesehen. Leider nicht zu Gesicht bekam ich Krokodile, Warane oder Schlangen.

Und wann kommen nun die Elefanten???

So, nun bin ich völlig vom Budo weggedriftet. Dabei wurde es am Ende der ersten Woche noch einmal richtig beeindruckend. Da gab es das Finale des Ju-Jutsu-Duo-Tuniers, welches Jürgen mit sehr viel Einsatz organisiert hatte und eine Abschlussvorführung vieler Teilnehmer. Natürlich haben alle wichtigen Menschen Abschlussreden gehalten. Außerdem haben alle Trainer und Teilnehmer Urkunden erhalten.

Das war die erste Woche. Die zweite (Erholungswoche) fing wie üblich mit morgendlichem Aufwach-Training am Strand an. Ich bin ein ganz extremer Morgenmuffel. Wenn ich nicht wenigstens 1-2 Stunden wach bin, bevor mich andere anquatschen, dann kann das schon mal traurig enden. Also war es das beste für mich (und die anderen) wenn ich morgens erst mal genießbar wurde.

Das Frühstück war im allgemeinen ganz OK. Lediglich mit den Tee/Kaffeetassen hatten die Hotelangestellten ein Problem. Aber wenn man Rührei mit Extra scharfem Chilli zum Frühstück mag, dann konnte man glücklich werden. Überhaupt isst man auf Sri Lanka sehr sehr scharf. Die Touristen-Version der scharfen Rice/Curry Gerichte haben mir sehr gut geschmeckt. Aber ich gehörte wohl zu einer Minderheit in unserer Gruppe, die es schade fand, nach zwei Wochen wieder „Deutsche Kost“ essen zu müssen. Ich mag das Essen dort sehr gerne.

Was man auch mögen kann ist Ayurveda. Wir haben alle vom Hotel einen Gutschein für eine Ayurveda Massage erhalten. Ayurveda ist eine Lebensphilosophie, die seit über tausend Jahren in Indien und Sri Lanka bekannt ist und zur Läuterung der Seele und Entgiftung des Körpers Anwendung findet. Ayurveda bezweckt vor allem, dem Menschen eine bessere Lebensqualität und ein längeres Leben zu bescheren. Ich glaube kaum das die eine Behandlung diese Ziele erreicht hat. Aber es soll Leute geben, die fahren nur dafür nach Sri Lanka und geben da richtig viel Geld aus. Ich habe die Standardversion genommen. Da wurde ein kurzer Gesundheitscheck gemacht, um die passenden Ölmischungen für mich heraus zu finden und dann wurde ich 45 Minuten lang komplett in Öl geknetet. Nach der Hälfte der Zeit durfte ich mich wenden. Am Ende hätte man mich direkt in die Pfanne hauen können, wäre bestimmt lecker geworden. Also ich fand die ganze Sache OK, würde es sicherlich auch wieder einmal probieren. Zumal mein Geruchssinn die Öle kaum wahrgenommen hat. Andere fanden das lästiger.

Nun habe ich schon vorgegriffen. Vor meiner Ayurveda-Session gab es ja erst mal die lang erwartete Rundreise. Ich hatte bis hierher nämlich noch nicht viel vom Land gesehen. Meine weiteste Reise in der ersten Woche war ein Fußmarsch mit Bettina und Zoran. Immer rechts am Hotel lang. Solange bis uns zu warm wurde. Das war nach etwa 300 Metern der Fall. Da war es dann schon etwas anderes, mit nem klimatisierten Reisebus umherzugondeln. Es waren auch relativ lange Fahrten (mehrere Stunden) zwischen den einzelnen Punkten. Aber dadurch, dass wir genügend Platz im Bus hatten, war das alles kein Problem. Besonders hervorheben muss ich das Unterhaltungsprogramm an Bord. Als mal wieder fast alle eingeschlummert waren, hat unser singhalesischer Reiseleiter eine Kassette mit Vogelstimmen aus Sri Lanka eingelegt. Nach dem ersten Schrecken (wer uns da aus der Ruhe pfeift) und nachdem wir einen Lautstärke-Kompromiss geschlossen hatten, war es recht angenehm. Vielleicht sollte er beim nächsten mal eine Kassette mit Elefantengeräuschen mitnehmen.

Erste Station war der Höhlentempel von Dambulla. Diese Felsentempel von Dambulla sind im ersten Jahrhundert v. Chr. erbaut worden. Zwischen dem 15. bis 18. Jahrhundert wurden die Felsenhöhlen weiter ausgebaut. Die 5 Höhlen liegen auf einem 100 Meter hohen Felsen, von wo man einen herrlichen Ausblick auf das Umland hat. In einer Höhle befindet sich ein 14 m langer ,
aus Fels gehauener liegender Buddha. Die anderen 4 Höhlen zeigen Steingravierungen und Fresken mit leuchtenden Farben , welche das Leben Buddhas zeigen. In der schönsten und größten Höhle stehen etwa 150 lebensgroße Statuen von Gottheiten. Auf dem Weg nach unten zum Bus waren dann auch wieder die fliegenden Händler da, die einem allen möglichen Kleinkram verkaufen wollen. Auf dem Weg nach oben habe ich die Leute meistens ignoriert. Manchmal aber auch gesagt: „später vielleicht“. Also habe ich mir „später“ dann 3 kleine Elefanten-Hals-Kettchen gekauft und noch 2 Armbänder aus Kokosnussteilchen. Ich dachte erst, dass ich nun der Dumme war, der jeden Kram zu überteuerten Preisen kauft. Habe für alles umgerechnet 2,50 Euro bezahlt. Aber im Gegenteil, später im Bus und am nächsten Tag fragten mich viele von unserer Gruppe, wo ich denn diese süßen Elefanten her habe.

Übrigens haben wir immer noch keine echten Elefanten gesehen. Unser grösster Elefantenfan fragte auch ständig „wooo siiind dieee Eeelefanteeeen“.

Weiter ging es zum Sigiriya Felsen einer Himmelsfestung. Der massive Felsen erhebt sich 200 m aus dem grünen Dschungel in den Himmel. Vor 1500 Jahren muss dieser Anblick mit dem Palast oben auf, überwältigend ausgesehen haben.
Im 5. Jahrhundert und nur 18 Jahre lang , war diese Festung eines der schönsten Königs-residenzen, die die Welt je gesehen hatte.

Hier habe ich dann auch schon meinen nächsten „Fehler“ begangen. Vor der Besteigung des Berges wurden wir vor vermeintlichen Reiseführern gewarnt. Die zeigen dir eine selbstkopiertes Zertifikat, und wenn du nur ein Wörtchen mit denen wechselst, bist du einen „Vertrag“ eingegangen, aus dem du nur mit Geld wieder rauskommst. Mir passierte nun folgendes. Unser Reiseführer aus dem Bus übergab das Kommando an einen anderen Singhalesen. Der sah fast genauso aus wie der aus dem Bus, also wie die meisten, dunkelhäutig, mager, schlabbrige Kleidung, verständliches Deutsch u.s.w. Auf dem Weg zurück war der sogar so nett und wartete auf mich, nachdem ich wegen Fotos den Anschluss an die anderen verloren hatte.
Das hätte mich schon stutzig machen sollen. Außerdem hatte er plötzlich andere Badelatschen an, und er sprach auf einmal englisch mit mir. Das war dann zuviel. Nun fiel sogar mir auf, dass ich einem neuen „Reiseführer“ erlegen war. Aber da er mir einiges gezeigt hatte und das ganze je mein „Fehler“ war, gab ich ihm 50 Rupien (50 Cent) und konnte mich unserem bereits bezahlten Führer wieder anschließen.

Völlig durchgeschwitzt ging es weiter. Irgendwie hoffte ich nun im Hotel anzukommen, um erst mal zu duschen, denn der Aufstieg stand unserem Training der ersten Woche in nichts nach. Es war ja auch schon knapp 17 Uhr, als der Bus im Hochland wieder hielt. Da war aber nicht das Hotel. Es gab eine Gewürzplantage zu besichtigen. Nachdem wir ziemlich viele Dinge die ich nur aus dem Supermarkt her kenne im Original gesehen hatten, erübrigte sich auch das Duschen. Wir bekamen alle eine Kopf-Nacken-Oberkörper-Massage mit richtig dollen Duftölen und tief wirkenden Salben. Danach hätte der Geruch in unserem Bus auf jedem Apotheker-Kongress wahre Begeisterung ausgelöst. Aber zurück zu den Gewürzen. Es gab Ingwer, Muskat, Pfeffer, Vanille, Papaya und vieles anderes mehr im Original zu sehen. Von nun an werde ich mich gerne dahin schicken lassen „wo der Pfeffer wächst“.

Nun ging es aber ins Hotel in Kandy. Da dort Doppelzimmer gebucht waren, durfte ich mir ein Zimmer mit Jan teilen. Die Betten standen weit genug auseinander, und ich habe die Nacht überlebt. Wir konnten uns entscheiden, ob Jan erfriert oder ich vor Hitze nicht schlafen kann. OK, erfrieren ist nicht so angenehm, also haben wir die Klimaanlage ausgelassen. Weitaus spannender war am Abend vorher noch ein spontaner Spaziergang um den Block. Wir waren 7 Leute und Martin blieb eisern bei dem Vorsatz, einmal im Kreis zu gehen. Somit kamen wir in eine Strasse vor der die Reiseführer eigentlich warnen würden. Aber da wir ja alle zusammen bestimmt 100 Jahre Kampfsporterfahrung hatten, bestand nicht wirklich Grund zur Sorge.

Am nächsten Morgen ging es zu Fuß durch Kandy weiter. Die Stadt hat etwa 110.000 Einwohner. Der Zahntempel in dem als Reliquie ein Zahn von Buddha aufbewahrt wird (angeblich), ist das größte Heiligtum des singhalesischen Buddhismus. Kein neugewählter Staatspräsident, Partei-führer und anderer Würdenträger darf es versäumen, unmittelbar nach seiner Wahl oder seinem Amtsantritt, Kandy und dem Zahntempel einen Besuch abzustatten. Den Zahn bekamen wir aber nicht zu sehen.

Nächste Station war eine Schmuckfabrik. Es war mal ganz interessant zu sehen, was alles so in der Erde verborgen ist und wie es weiter verarbeitet wird. Am Ende ging es natürlich ums Kaufen. Plötzlich strömten aus allen Ecken „Berater“ auf uns zu. Es war von Vorteil, männlich und ohne Schmuck zu sein. Jedenfalls habe ich es recht schnell nach draußen geschafft. Am interessantesten war für mich aber die Alarmanlage. Logisch, ist ja mein Beruf die Dinger zu bauen. Es war immerhin die erste Einbruchmeldeanlage, die ich auf Sri Lanka gesehen habe. Erst später fielen mir in Negombo die vielen Alarmanlagen auf. Man sieht sie erst abends. In Form von Wächtern die vor den Juweliergeschäften sitzen. Dort in der Fabrik gab es aber was „Richtiges“ mit Bewegungsmeldern und Videokameras.

Tea-Time. Der Besuch bei der „Teeplantage Geragama“ war unser nächster Stop. Sri Lanka (Ceylon) ist ja berühmt für seinen Tee. Die Plantagen sind auch recht nett anzuschauen. Wenn man dann hinter die Kulissen gucken kann, dann sieht man körperlich sehr harte Arbeit die zumeist von Frauen ausgeführt wird. Technisch auf dem Stand der Kolonialzeit. Hier haben fast alle etwas gekauft. Denn preislich kann man gegen 250 Gramm „Orange Pekoe“ für 1 Euro nichts sagen.

Und nun kommen endlich die Elefanten.

Bettina hat sich einfach nur noch gefreut. Das Elefantenwaisenhaus von Pinnewela liegt etwa 35 km westlich von Kandy . Hier werden Elefanten großgezogen, die in der Wildnis verwaist oder verletzt wurden. Die Elefantenwaisenstation ist durch eine Initiative der Sri Lankischen Regierung ins Leben gerufen worden und wird auch von dieser unterhalten. Wir haben dann in einem Restaurant am Fluss Mittag gegessen und konnten den Elefanten beim Baden zuschauen. Zuvor konnte man hautnah ran, die Elefanten füttern und auch reiten. Ich hatte leider das Gefühl das „zuviel“ dafür getan wird um die Touristen zu begeistern.
Manches sieht doch mehr nach Quälerei für die Tiere aus. Zum Beispiel der Speer im Rachen, damit sie beim Gruppenfoto auch recht freundlich aussehen. Ich bin aber selbst noch nie Elefant gewesen, um einschätzen zu können, ob der gute Hintergrund dieser Einrichtung die Vermarktung rechtfertigt.

Wir haben nun mehr gesehen und erlebt als man in 2 Tagen verarbeiten kann. Also waren wir recht froh, zurück in Negombo zu sein. Zoran und ich haben es dann sogar mal geschafft, ins Ortsinnere vorzudringen. Schon nach 5 Minuten trafen wir einen alten Bekannten. Einen Koch aus unserem Hotel. Na jedenfalls meinte er, dass er uns gut kennen würde. Er hat gerade frei und kauft Gewürze fürs Hotel. Abends würden wir ihn dann im Hotel sehen können. Und er hätte auch sehr sehr günstige Gewürze für uns. Nicht die teuren für die Touristen, sondern die preiswerten, so wie er sie fürs Hotel einkauft. Es war schwierig, aber wir sind ihn dann irgendwann losgeworden. Ich glaube, es gibt ungefähr genauso viele Köche wie Touristen in Negombo, denn auch andere Budokas haben „unseren“ Koch getroffen. Nur, dass der immer anders aussah. Na jedenfalls habe ich dazu gelernt, niemals zuerst zu sagen, in welchem Hotel ich wohne. Ansonsten war es ziemlich dreckig in der City. Ich habe mir ein paar „Sri-Lanka-Ich-War-Hier-T-Shirts“ gekauft. Interessanterweise kosteten die hier nur ein Viertel von dem, was die fliegenden Händler am Strand haben wollten.

Die letzten Tage waren dann noch einmal sehr intensiv. Saman, der Chinadi-Trainer hatte mit Bettina eine Tagesreise organisiert. Wir bekamen einen Berg mit genialer Aussicht zu sehen, den wir zuvor hinaufkraxeln durften. Ebenso interessant war ein buddhistischer Tempel, der am Vortag der Vollmond-Feierlichkeiten bereits sehr stark besucht war. An beiden Orten waren wir die einzigen Touristen. Sam selbst war bereits wieder in Deutschland, aber er hatte sein Versprechen gehalten, uns Gegenden zu zeigen, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Der Fahrer und seine Tochter waren supernett. Unangenehm war lediglich, in einem Minivan bei 35 Grad hinten zu sitzen. Die Fenster zu, damit die Klimaanlage wenigstens den Leuten vorne etwas Abkühlung bereitet. Zum Glück durfte ich später mit Bettina die Plätze tauschen. Dadurch konnte ich auch mal wieder die Fahrkünste der Singhalesen bewundern. Es gab öfters Situationen bei denen wir hupend ein Tuk-Tuk überholten, während dessen ein PKW an uns vorbei wollte. Erwähnen muss ich den Gegenverkehr, der natürlich auch da war. Das ganze auf „Strassen“, die nicht so breit wie unsere Landstrassen sind. Am spannendsten wurde es, wenn uns alle zusammen dann ein Mopedfahrer auf der falschen Seite von innen überholte.

So langsam geht nun mein Urlaub in der „Demokratischen Sozialistischen Republik Sri Lanka“ (ja so heißt sie offiziell) zu Ende. Die letzten Abende bin ich immer wieder gejoggt, um mal mehr als nur unseren Strand zu sehen, und weil es sehr schön ist, am 28 Grad warmen Indischen Ozean, beim Sonnenuntergang entlang zu laufen - auch wenn im Bereich der Fischerdörfer der Strand mehr wie eine Müllhalde aussah. Meistens traf ich Anthony. Der war so etwas wie unser Camp-Anhängsel. Er ist etwa 30-40 Jahre alt und wohnt angeblich 10 Minuten entfernt bei seiner Mutter. Manche fanden ihn lästig (da er später auch nach Einladungen für Europa fragte), aber Nicole und ich fanden ihn lieb, da er immer artig stundenlang dem Training zugeschaut hatte. Er traute sich aber nicht mitzumachen. Am letzten Tag haben wir ihm einige Abschiedsgeschenke gegeben. Ich habe mein Englisch-Deutsch-Mini-Langenscheidt geopfert. Er konnte nämlich recht gut Englisch aber wenig Deutsch. Wir hatten ab und zu neue Wörter geübt. Nun kann er selbst weiter üben.

Ich selbst wurde auch immer „einheimischer“. Nach ausführlicher Beratung durch Ines (Jan’s Mutter) habe ich mir einen Sarong zugelegt. Das ist die traditionelle Kleidung der Männer und besteht aus einer Art Stoffröhre die man als langen Rock trägt. Am Anfang war dies erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber schon nach kurzer Zeit stellte man die Vorteile fest. Da der Sarong aus einem sehr luftigen leichten Stoff besteht, war es sehr angenehm diesen bei der Hitze zu tragen.

Am beeindruckendsten ist die Liebenswürdigkeit der Menschen. Ich meine nicht die europäischen Teilnehmer des Camps Die waren alle prima, nee ich meine die Singhalesen. Auch wenn manche verständlicherweise aus Geschäftsinteresse heraus freundlich sind, so sind es fast alle auch sonst und überall. Wie bereits im Vorfeld von Olaf, Nicole und Fritzi angekündigt, wird man recht schnell nach Hause eingeladen. Bei Leuten, die ich am Strand kennen gelernt habe, war es mir sicherer das Angebot dankend abzulehnen.
Aber als mir Jörg sagte, dass uns Deva Kumar (einer der Karatetrainer) eingeladen hat, war ich sofort dabei. Kumar und seine Familie sind Hindus. Wir waren zuerst in seinem Shop, einem Gewürz- und Lebensmittelladen. Dann im „Rathaus“ an seinem Arbeitsplatz, und wir sahen die Halle die zu Trainingszeiten sein Dojo ist. Scheinbar haben alle auf Sri Lanka mindestens drei Berufe. Denn auch Gamini Wilson (ein weiterer Karatemeister) hat neben seinem Dojo noch ein Musikgeschäft. Wie es dunkel wurde fuhren wir noch zu einem buddhistischen Tempel. Dort verwickelte Jörg ihn in philosophische Gespräche. Es ist schön, wenn man aus erster Hand erfahren kann, dass der Buddhismus aber auch der Hinduismus keine Religion im westlichen Sinne sind, sondern eher Weltanschauungen.

Überhaupt lernte ich durch diesen Urlaub viel über die Religionen, die mich weit mehr interessieren als die Kirche hierzulande. Der „Ganesh“ ist ein Gott der Hindus mit Elefantenkopf. Es gibt wohl viele Versionen der Geschichte über die Herkunft seines Elefantenkopfes. Eine davon erzählt, wie Ganesh von seiner Mutter beauftragt wurde, das Haus in ihrer Abwesenheit zu bewachen, während Shiva sich zur Meditation in die Berge zurückgezogen hatte. Als Shiva in der Zwischenzeit zurückkehrte und von seinem Sohn auch nicht ins Haus gelassen wurde, schlug er ihm wutentbrannt den Kopf ab. Um Parvati in ihrer Trauer zu trösten, versprach Shiva ihr, dass Ganesh den Kopf des ersten Lebewesens erhalten sollte, dem Shiva begegnete. Zufällig war das ein Elefant, und weil beim Abschlagen des Kopfes ein Stoßzahn dran glauben mußte, hat Ganesh nun einen Elefantenkopf mit nur einem Zahn. Seine Anhänger sehen ihn als Schutzherrn der Wissenschaften, der Schulen und Schriften - was oft wie ein Bündel Geldscheine in seiner Hand aussieht, ist eigentlich ein Buch - . Seine dickbäuchige Erscheinung zeigt, dass irdische Freuden tiefer Weisheit nicht im Weg zu stehen brauchen.

Der letzte Abend dann wurde etwas länger. Es kamen so ziemlich alle einheimischen Trainer noch einmal zu Besuch, verteilten Geschenke und bedankten sich bei Olaf. Mittlerweile war es viel zu spät. Ich wollte eigentlich meine Sachen packen und bereits im Bett schlummern. Aber irgendwann schaffte es dann Olaf auch noch zu uns. Nun hatten wir – die europäischen Teilnehmer – endlich Gelegenheit unsere „Urkunden“ an Olaf und Nicole zu überreichen. Tausende Singhalesen waren wochenlang beschäftigt gewesen, um die Dankeschön-Zertifikate zu zeichnen und die Ying & Yang Anhänger zu schnitzen. Am noch späteren Abend verlieh der Vorsitzende der Sri Lanka National Karate Organisation zwei Teilnehmern Urkunden. Shihan Daja Samarasekara hatte beim Training zu gesehen und gratulierte Bettina und Steffen dazu, dass sie aufgenommen sind in dem „Register of Ranks“ als 1. DAN Karate Do.

Ein paar Stunden später genoss ich meinen letzten Sonnenaufgang auf dieser schönen Insel. Der Juni-Vollmond gab zusammen mit dem Morgenrot eine wunderbare Abschiedskulisse.
Autor: Steffen Mörbitz, 1. Dan Karate , Mülheim an der Ruhr

   

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